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Die Geschichte des Schwimmens

Die Anfänge

Wann genau Menschen es lernten, sich schwimmend im Wasser zu bewegen, lässt sich heute nicht schlüssig nachweisen.

In allen Gesellschaftsordnungen und in allen Bereichen der Erde in denen Menschen an Gewässern lebten, war das Schwimmen eine bedeutende und mitunter lebenswichtige Kunst. In allen Kulturen finden sich Hinweise auf das Baden in heißen Quellen, natürlichen Gewässern oder künstlich gebauten Bädern.

Die ältesten bekannten Höhlenzeichnungen über das Schwimmen wurden - kaum zu glauben - ausgerechnet in der Sahara gefunden. In Lybischen Höhlen fand man Zeichnungen aus der Steinzeit, auf der das Brustschwimmen abgebildet ist.

Das Wort Schwimmen hat ursprünglich die Bedeutung von "im Wasser herumplätschern". Zeitweise entstammten die Badegewohnheiten auch aus religiösen Kultregeln.

Bei den Griechen und Germanen

In den Hochkulturen der Antike, Griechenland und bei den Römern wurde das Schwimmen und Baden besonders geschätzt.

Ein Heißluftbad, ein Duschbad und ein Badebecken zum Erlernen des Schwimmens waren ein wichtiger Bestandteil der griechischen Bildungsstätten (Gymnasion).

Aus dieser Zeit stammt auch der abwertende Satz: "Er kann weder schwimmen noch lesen".

Die Römischen Bäder

Im römischen Reich stand das Schwimmen und Baden in besonders hohem Ansehen. Man baute Thermal- und Dampfbäder, sowie z.T. beheizte Schwimmbecken von über 50m Länge. Schwimmen gehörte zur körperlichen Ausbildung der Jugend.

Ein Besuch der Bäder dauerte Stunden. Man begann mit dem gemütlichen Tepidarium (lauwarmes Bad) und begab sich dann in das Caldarium (heißes Bad). Wurde man von Krankheiten geplagt besuchte man das Laconicum (Raum mit trockener Hitze). Hatte man ordentlich geschwitzt war es Zeit für das Frigidarium (Kaltwasserbecken).

Um die Bäder warm zu halten bedienten sich die Römer einer Hypokaustenanlage (Fußbodenheizung). Die Räume wurden auf Säulen errichtet und heiße Luft von einem Feuer zirkulierte unterhalb des Bodens. Der Boden wurde so heiß, dass die Besucher zum Schutz Sandalen tragen mussten. Damals gab es auch noch keine Seife. Die Menschen rieben sich mit Olivenöl ein, das sie anschließend abschabten.

Baden im Mittelalter

Von dem ausschweifenden römischen Badeleben wollten die Christen im frühen Mittelalter nichts mehr wissen. "Ein Bad im Monat ist gerade noch mit dem christlichen Glauben zu vereinen", mahnte der Theologe und Philosoph Aurelius Augustinus. Nur zweimal im Jahr, vor Ostern und zu Weihnachten, durften Mönche damals ohne Erlaubnis des Klostervorstehers baden.

Während der Ritterzeit, unter dem Einfluss der mittelalterlichen Philosophie, wurde das Baden und Schwimmen gar besonders bekämpft, weil damit eine Entblößung des Körpers verbunden war.

Die Zeit des "asketischen Wohlgestanks" fand erst unter dem Einfluss der Kreuzzüge ein Ende. In den türkischen Bädern des Orients hatten die Kreuzritter erkannt, wie wohltuend und heilsam ein tägliches heißes Bad sein kann - ein Genuss, den sie daheim nicht mehr missen wollten. Die öffentlichen Badestuben, die daraufhin allerortens wie Pilze aus dem Boden schossen, waren aber nicht allein der Körperpflege vorbehalten. Nebenher wurde gegessen und getrunken, getanzt und gespielt.

Die Bademode im Mittelalter spielte sich hauptsächlich auf dem Kopfe der Badenden ab. Vor allem die badefreudigen Damen übertrumpften sich gegenseitig mit den ausgefallensten Kopfbedeckungen. Und die sonstige Badebekleidung? - Die gab es nicht. Aus dem moralischen und religiösen Selbstverständnis heraus war eine Bekleidung im Bade auch unnötig. Nacktbaden, ohne Bekleidungsregeln und hindernder Moral, entsprach den sinnesfreudigen Auffassungen des Mittelalters. Zum fröhlichen Schwatz, zu Schmaus und Trunk, zum Lautenspiel, Gesang und anschließenden Lustbarkeiten trafen sich Badende beiden Geschlechts im Mittelalter (14./15. Jahrhundert) im Badehaus der Stadt. Das Baden im selben Zuber galt als normal. In der Mitte lag ein Serviertisch über den Bottich, überladen mit Essen und Trinken.

Nachdem sich die "Unmoral" und "Sittenlosigkeit" in den von den wohlhabenden Bürgern genutzten "Badehäusern" ausbreitete gerieten diese Stätten, die zunächst der Hygiene gedient hatten, in Verruf und wurden geschlossen.

So kamen das gesamte Badewesen und die Kunst des Schwimmens zum erliegen. Wer sich den Badeverboten zum Trotz, dennoch im Wasser tummelte, wurde bestraft. Jahrhundertelang wurden schlechte Gerüche nun mit Puder und Parfum überdeckt.

Dennoch blieb die Kunst des Schwimmens durch Überlieferung im Volk erhalten, und namhafte Persönlichkeiten forderten weiterhin, das Schwimmen zu lehren.

Die Zeit des Humanismus und der Aufklärung

Erst im Rokoko bekamen höfische Gesellschaften wieder gelegentlich Spaß an einem gemeinsamen Bad. In voller Bekleidung stiegen Damen und Herren fein genierlich in die Fluten kleiner Seen, Flüsse und privaten Teichen der Schlösser. Eine spezielle Bademode existierte nicht. Das Nacktbaden wie im Mittelalter war undenkbar. Die Zeiten änderten sich und in zunehmendem Maße wurde auch den Körperübungen wieder mehr Beachtung geschenkt. Allerdings waren die ersten Schritte auf dem Gebiet des Schwimmens äußerst zaghaft.

Der Humanist Nicolas Wynman aus Ingolstadt verfasste 1538 mit seinem "Colymbetes" das erste Schwimmlehrbuch der Welt. Sein Ziel war jedoch weniger das Schwimmen lernen als Form der körperlichen Ertüchtigung ins Leben zu rufen, sondern vielmehr der Gefahr des Ertrinkens zu begegnen. Dennoch enthielt das Buch grundsätzliches über die Technik und Methodik des Schwimmens, besonders zur Entwicklung des Brustschwimmens.

Auftriebsmittel wie Korkgürtel, Schilfbündel und Rinderblasen werden zu Selbstübungen empfohlen. Wassergewöhnungsübungen - die Grundlage heutigen Schwimmunterrichts - wurden jedoch nicht gemacht.

Große Impulse für das Schwimmen gingen in jener Zeit auch von den Haloren aus. Die Haloren, Salzwirker in den Salinen von Halle, waren in beruflichen Notzeiten häufig als Fischer und Schiffer tätig. In der Überlieferung heißt es, dass sie ihre Knaben schon im dritten und vierten Lebensjahr zum Schwimmen mit in die Saale nahmen.

Guts Muts aus Schnepfenthal verarbeitete die Erfahrungen der Haloren schöpferisch und begründete eine systematische Schwimmausbildung. Sein "Kleines Lehrbuch der Schwimmkunst zum Selbstunterricht" erschien 1798. Es empfiehlt die Verwendung der sogenannten "Angel" und anderer Trockenschwimmgeräte. Darin stellte er die Forderung auf, dass das Schwimmen ein "Hauptstück der Erziehung" werden sollte.

Das Baden im 19. Jahrhundert

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Badenden an Nord- und Ostsee beständig.

Berichtet wurde von dem angeblich absolut prüden Verhalten der reichen Badenden, die in der Öffentlichkeit mit ihren Badekostümen angeblich nur in Bretterkisten, "Aalkästen" und Bäderkarren, die ins seichte Wasser geschoben wurden, abgeschirmt vor den Augen anderer badeten.

Die Schwimmlehrmethoden jener Zeit bei denen der Schüler an einer Angel im Wasser agierte wurde durch sogenannte "Trockenschwimmtrainer" abgelöst.

An den Flüssen gab es die schwimmenden Flussbadeanstalten. Auf leeren Petroleumfässern oder Pontons schwamm eine große hölzerne Plattform. In diese war als Schwimmbassin ein eiserner Käfig mit Holzboden ins Rheinwasser eingehängt, wo sich die Badelustigen einigermaßen gefahrlos tummeln konnten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten sich verstärkt die Kurbäder für die höheren Gesellschaftsschichten und öffentliche Wannen- und Brausebäder für das "einfache Volk".

Dem Schwimmen für Frauen wurde anfangs kaum Bedeutung zugestanden. Schuld daran war u.a. die damals übliche Bademode der Damen.

Der Tod eines jungen Mädchens in einer Mädchenschwimmschule 1892 bewegte jedoch die Öffentlichkeit, zumal die anwesende Schwimmlehrerin nur deshalb keine Hilfe leisten konnte, "weil sie ihre vielen Kleiderhüllen, die der Anstand von ihr forderte, nicht schnell genug abwerfen konnte". So dauerte es noch bis zum ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bis sich das Schwimmen für Frauen in der Öffentlichkeit als "normal" durchsetzte.

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